Montag, 18 Dezember 2017

Bangladesch

Wenn wir den Namen dieses Landes hören, denken wir unmittelbar an Überschwemmungen, Wirbelstürme, Fährunglücke und Überbevölkerung.

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Hälfte der Leute leben unter der Armutsgrenze und mehr als ein Drittel müssen als extrem arm bezeichnet werden. Warum ist Bangladesch eines der ärmsten Länder? Zum einen hat sich das Land immer noch nicht ganz vom Schock erholt, dass während des Krieges im Jahre 1971 viele Leute der gebildeten und führenden Oberschicht, in Bildung und Wirtschaft, umgekommen sind. Zum andern hat die Bevölkerung zwischenzeitlich auf über 140 Mio. zugenommen und hat Bangladesch zum bevölkerungsreichsten Staat mit über 1000 Einwohner pro km2 der Erde gemacht (vergleichsweise zählt die Schweiz etwas mehr als 160 Einwohner pro km2). Die Infrastrukturen der grösseren Städte, allen voran Dhaka und Chittagong, sind hoffnungslos überfordert. Dhaka ist eine der chaotischsten und verschmutztesten Städte der Welt. Und diese Riesenstädte wachsen unaufhaltsam.

Der grösste Teil der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig und daher extrem von der Witterung abhängig. Viele davon fristen ihr Leben als landlose Bauern und versuchen ihre Familien als Taglöhner zu ernähren. Durch schwere Schicksalsschläge in totale Armut abgesunken, müssen viele sogar als Leibeigene dienen.

Ein Geflecht von etwa 240 Flüssen mit einer Gesamtlänge von 24 000 km durchzieht das Land. Bangladesch ist ein extrem flaches Schwemmland, und wurde in Jahrmillionen von den zwei riesigen Strömen Südasiens, dem Ganges aus Nordindien und dem Brahmaputra aus dem Hochland Tibets, gebildet. Als Meghna-River vereint, fliessen sie ins bengalische Meer und verästeln sich dort zum grössten Mündungsdelta der Welt. Jedes Jahr, während der Monsunzeit überschwemmen sie das Land regelmässig mit wertvollem Naturdünger in der Grössenordnung von 1,5 - 2 Milliarden Tonnen, und machen das Land extrem fruchtbar. Wenn aber beide Flüsse zur gleichen Zeit Hochwasser führen, kommt es zu den bekannten Überschwemmungen. Bis zu 70% des Landes können dann unter Wasser stehen, mit dem Resultat, dass die Ernte verfault, weil das Wasser breitflächig, und nur sehr langsam abfliessen kann.

Auf der anderen Seite sind die Flüsse die Lebensadern, bilden natürliche Versorgungswege, Waschplätze, Abfallplätze, bestimmen das Tempo des Lebensrythmus und nehmen Land oder geben es zurück. Es ist schon vorgekommen, dass nach riesigen Überschwemmungen Brücken einfach im Trockenen stehen gelassen wurden, da der Fluss weitab einen anderen Verlauf genommen oder sich mit einem anderen Flussarm vereinigt hat. Das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass die meisten Flussüberquerungen noch mit Fähren getätigt werden. Die längste Brücke überspannt den Jamuna-Fluss, wurde im Jahre 2001 eröffnet und verkürzt die Reisezeit für den Strassen- und Schienenverkehr um fast zwei Stunden.

Das Erstellen solcher Bauwerke ist gar nicht so einfach, da im ganzen Land nur Lehm und Sand anzutreffen sind. Alles Betonkies muss importiert werden. Auffallend sind die vielen Ziegelbrennereien. Aber nur ein kleiner Teil dieser Backsteine wird für den Häuserbau verwendet. Ganze Familien sind damit beschäftigt, die gebrannten Backsteine wieder zu zerkleinern, um sie dann als Schotter für den Strassenbau oder als Betonkies zu verwenden. Obwohl riesige Erdgaslager entdeckt wurden, wird dieses noch zu wenig genutzt. Die Ziegelbrennereien werden mit Kohle oder Holz befeuert, was wiederum eine jahrzehntelange Abholzung zur Folge hatte.

Aber noch schlimmere Folgen hat der Kahlschlag in den Mündungsgebieten, im tibetischen Hochland, dieser riesigen Flüsse. Die negativen Auswirkungen davon sind weltweit bekannt. Viele Hilfsorganisationen haben dies erkannt und haben Aufforstungsprogramme ins Leben gerufen. Mit dem Pflanzen von Bäumen entlang den Strassen in den Dörfern werden gleich mehrere Probleme gleichzeitig angegangen. Zum einen halten die meist zu Lehmdämmen aufgeschütteten Strassen der nächsten Flut besser stand, zum anderen gibt es in 18 - 20 Jahren wieder Nutzholz und zusätzlich wird die "grüne Lunge" unterstützt.

Ist denn Bangladesch ein hoffnungsloser Fall? Keineswegs, aber es ist von einem spektakulären Wirtschaftsaufschwung noch weit entfernt. Voraussetzung für eine wirtschaftliche Entwicklung sind gute Volksbildung, eine ausgebaute Infrastruktur und auch eine gewisse Rechtssicherheit.

Über die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten. In ländlichen Gebieten haben nur etwas mehr als 20% der Leute Zugang zu elektrischem Strom. Die Regierung unternimmt grosse Anstrengungen, um diese Situation zu verbessern. Aber zuerst müssen ja auch Fachleute ausgebildet werden. Auf dem Sektor der Ausbildung sind viele Hilfsorganisationen tätig, haben Schulen verschiedener Stufen ins Leben gerufen oder bieten Berufsausbildung an. Um dem Teufelskreis der Armut zu entfliehen ist eine gute Schulbildung für jeden unabdingbar!

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"Im Meer von Sorgen kann man untergehen oder schwimmen lernen."

 

Kyrilla Spieker